Hoffnungskirche: Ein Wahrzeichen wird Geschichte

 

„Wenn wir hier durch sind, wird´s richtig schön“

 

Von Peter Ries

 

 

Garath | 05.04.2018 | (pri). Am vergangenen Mittwoch war es soweit: Nachdem die anliegenden Gebäude bereits abgerissen wurden, ging es an den 30 Meter hohen Turm der ehemaligen – 1966 vom Architekten Konrad Beckmann erbauten - Hoffnungskirche.

 

Abriss des Turms der ehemaligen HoffnungskircheSpätestens in einer Woche erinnert nichts mehr daran, dass sich an der Ricarda-Huch-Straße dereinst ein Gotteshaus befand, was bereits 2011 entwidmet wurde, und unter dessen Dach sich bis 2017 auch das Mehrgenerationenhaus Hell-Ga befand. Im Herbs 2019 soll hier der Ersatzbau für das benachbarte und unter Denkmalgeschutz gestellte Gebäude des Caritas-Altenzentrums St. Hildegardis fertiggestellt sein.

 

Das neue Pflegezentrum (Kosten etwa 9,5 Millionen Euro) wird 80 volle und zwölf Tagespflegeplätze anbieten. Nötig wurde der Neubau, weil laut Vorgabe des Wohn- und Teilhabegesetzes (WTG), ab August 2018 in dauerhaft belegten Seniorenheimen mindestens 80 Prozent der Zimmer als Einzelzimmer angeboten werden müssen. Das vom Architekten Gottfried Böhm aus den 1960er-Jahren stammende Gebäude entsprach mangels genügendem Grundriss - und nicht zuletzt aus denkmalschutzgründen - nicht den neuen gesetzlichen Bestimmungen. So entschloss sich die Caritas zu einem Neubau.

 

Es gab viele Klagen und Proteste gegen den Verkauf der einstigen „Heimat“ vieler Vereine und ehrenamtlich Tätigen.

 

Denn mit der Schließung und dem Verkauf der Hoffnungskirche an Caritas befürchtete man, dass etwa 900 Besucher, 25 Gruppen und etwa 40 ehrenamtlich Tätige ein Stück Heimat und Zuversicht verlieren. Darum hatte sich SOS-Kinderdorf in Garath entschlossen, die Hoffnungskirche zu kaufen – sogar Baupläne und Bauanfragen gab es schon. Leider war die Mühe umsonst, denn der Kaufinteressent Caritas hatte am Ende wohl die besseren Karten - und offensichtlich auch mehr Geld (1,4 Mio) zur Verfügung.

 

2017 musste sich die - 2007 von der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zum ersten Mehrgenerationenhaus ernannte - Hell-Ga e. V. nach einer anderen Bleibe umschauen. Diese fand „Hell-Ga“ dann unter dem Dach des SOS-Kinderdorfes im Sommer 2017 auf der Carl-Severing-Str. 4.

 

SOS-Kinderdorf und „Hell-Ga“ haben sich zu einer Einrichtung entwickelt, die aus unserem sozialen und kulturellen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Es sind Orte der Orientierung und der Nächstenliebe, wo untereinander und für andere Verantwortung zu übernehmen bejaht und praktiziert wird. Eben Begegnungszentren für alle Altersstrukturen und mit zahlreichen kreativen Angeboten - und somit Lebensraum, Gesicht und Mitte unseres Stadtteils geworden.

 

Das neue Altenheim soll so aussehen. Foto: © Schmale Architekten GmbHDie Pläne für den Neubau, die Architekt Markus Schmale Ende 2017 in der BV 10 vorstellte (SGH berichtete), ernteten viel Zuspruch seitens der Politik. Am Ende haben sich auch die meisten ehemaligen „Protestler“ damit abgefunden, dass es die Hoffnungskirche nicht mehr geben wird – jedoch dafür etwas Neues entsteht. Und wer weiß schon, ob man nicht selbst einmal Bewohner eines hochmodernen Pflegeheimes sein wird oder möchte.

 

Ein bisschen Wehmut, ob des Verlustes unserer fast 50 Jahre alt gewordenen Hoffnungskirche, wird jedoch immer in unseren Unterhaltungen über „die alten Zeiten“ mitschwingen.Abriss Hoffnungskirche in Garath: „Wenn wir hier durch sind, wird´s richtig schön“

 

Auf der Abriss-Schutzplane am Turm der Hoffnungskirche ist ein Spruch zu lesen. Er lautet: „Wenn wir hier durch sind, wird´s richtig schön“. Die vergangene Zeit war eine schöne Zeit; hoffen wir, dass der Spruch sich auch für die Zukunft bewahrheitet.

 

Info:

Was mit dem alten Pflegeheim nach dem Umzug geschehen soll, steht noch nicht fest. Ein Investor hatte zwar vor, Wohnungen zu bauen, jedoch ist bisher noch nichts Genaueres bekannt.

 

 

 


 

 

„Ihr Garather seid schon klasse“

 

Bezirksvertretung verabschiedet Bezirksbeamten Joachim Schall

 

Von Peter Ries

 

Nach über 45 Jahren Dienstzeit wurde Hauptkommissar Joachim Schall, den seine Freunde auch „Jupp“ nennen, in der gestrigen Sitzung der Bezirksvertretung 10 (BV) von Bezirksbürgermeister Uwe Sievers und den BezirksvertreterInnen in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

 

Verabschiedung in den Ruhestand: Joachim Schall

 

Garath | 22.03.2018 (pri). In seiner teilweise sehr emotionalen Abschiedsrede bedankte sich der 62-jährige Hauptkommissar bei den Bürgern und dem Bezirksbürgermeister Uwe Sievers - der Schall als einen liebenswerten und mit großem Durchsetzungsvermögen ausgestatteten Garant und Ansprechpartner für die Sicherheit der Bürger kennenlernen durfte.

 

„Ihr Garather seid schon Klasse. Das sage ich nicht einfach nur so. Denn in den vielen Jahren meiner Dienstzeit in Garath habe ich mich nie alleinegelassen gefühlt. Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Bezirksvertretung und der Verwaltung war nie nur eine einfache - sondern wahrhaft gelebte - Ordnungspartnerschaft. Aber auch die stets tolle und verständnisvolle Zusammenarbeit mit den vielen Institutionen und Vereinen und die Bürger – die er liebevoll als „Meine Bürger“ bezeichnete, sind ein wichtiger Grund, warum mir der Abschied etwas schwerfällt. „Wenn ich mich zum Beispiel hier in der Sitzung umschaue sehe ich, dass die Garather und Hellerhofer Bürger sich auch für die politischen Dinge in Garath interessieren – das ist leider nicht überall in den Stadtbezirken der Fall. Man kann über Garath schreiben und sagen, was man will – eines ist jedoch Fakt: Garath ist ein toller Stadtteil mit viel bürgerschaftlichem Engagement. Kurz und gut: sie sind einfach klasse!“.

 

Mit einem tränenden Auge und leicht belegter Stimme bedankte sich Schall auch bei seinem Kollegen „Ede“ (Hauptkommissar Hans-Gerhard Wolf), den er als seinen besten Freund bezeichnet.

 

Joachim Schall war von seinen über 45 Jahren Dienstzeit 19 Jahre als Bezirksbeamter für Garath und Hellerhof zuständig. Ende März scheidet er aus dem Polizeidienst aus, den er bereits mit erst 16 Jahren aufnahm.

 

Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung begann er seinen Dienst zunächst im damaligen Schutzbereich 2, Kaiserswerther Straße. Nach weiteren Stationen und einem erfolgreich abgeschlossenen Kommissarlehrgang war er zunächst als Wachdienstführer der Polizeiwache Wersten eingesetzt, bevor 1995 als Leiter der Kradstaffel Benrath seinen Dienst versah und ab Dezember 1999 in die Wache Garath als Bezirksbeamter eintrat.

 

Als Abschiedsgeschenk überreichte Bezirksbürgermeister Uwe Sievers KaffeeAls Abschiedsgeschenk überreichte Bezirksbürgermeister Uwe Sievers einem zuletzt sehr gerührten Hauptkommissar einen äthiopischen Kaffee aus einer Privatrösterei in Oberkassel, denn „Jupp“ trinkt gerne auch exotischen Kaffee, den er nun in Ruhe genießen kann, obwohl er - wie er sagte - auch in Zivil des Öfteren bemerke, dass er den Polizisten in sich wohl nie so richtig ablegen könne.

 

Wir sagen danke lieber Jupp! Genieße noch lange deinen verdienten Ruhestand.

 

 

 

Die 50- jährige Polizeioberkommissarin Astrid Burkert nimmt bereits seit Januar für Schall - u. a. die Aufgaben im Einsatzgebiet Garath West war.

 


 

 

Neue Bezirksbeamtin für Garath

 

"Ich lebe gerne in Garath"

 

Astrid Burkert komplettiert ab sofort das Team der Polizeiinspektion Düsseldorf-Süd

Garath | 14.01.2018 (pri). Astrid Burkert komplettiert ab sofort das Team der Polizeiinspektion Düsseldorf-Süd und nimmt für Hauptkommissar Joachim Schall (62) - der im März in den verdienten Ruhestand geht - u. a. die Aufgaben im Einsatzgebiet Garath West war.

 

Die 50- jährige Polizeioberkommissarin und Mutter von drei erwachsenen Kindern wohnt in Garath und kennt sich hervorragend mit den unterschiedlichen Charakteren der hier lebenden Menschen aus. „Für mich ist Garath Heimat und ich lebe gerne hier. Garath ist ein lebendiges und grünes Stadtteil mit Kultur, Kunst und bürgerschaftlichem Engagement.

 

„Ich freue mich sehr über die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, Polizeihauptkommissar Hans-Gerhard Wolff und Polizeioberkommissarin Christine Palapanidis, die mir von Anfang an zur Seite standen und mich unterstützen“, sagte Astrid Burkert, die ihren Dienst bereits aufgenommen hat und das Trio - bestehend aus zwei Frauen und einem Mann offiziell ab 22. Januar als Schnittstelle zwischen den Bürgern und der Polizei für den Stadtbezirk 10, Garath West zuständig sein wird.

 

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Kommentar von Peter Ries

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Stimmt genau: Garath ist auch meine Heimat und auch ich lebe gerne hier, weil es eben ein lebendiges und grünes Stadtteil mit Kultur, Kunst und bürgerschaftlichem Engagement ist. Es ist das Gegenteil von dem, was man immer wieder von jenen zu hören oder zu lesen bekommt, die das „andere (wahre) Garath“ nicht kennen oder kennenlernen wollen und es stattdessen offenbar lieber mit Klischees der 60er Jahre belasten. Sicherlich gibt es - wie in anderen Städten und Stadtteilen - auch hier Probleme; oft werden sie jedoch von den Medien küstlich hochstilisiert, um die Auflagen zu steigern. Und da gibt es auch noch „Mundpropagandisten“, die all zu oft vergessen, dass sie mit ihren unüberlegten "Kneipengeschwafel" ihr eigenes "Nest" beschmutzen und sich dann wundern, dass man ihnen lieber aus dem Weg geht. 

 

 

Gesichter aus Garath „Nur mit den Füßen voraus“

 

Ur-Garather ärgert sich über Rufschädigung durch die Presse

 

 

Wilhelm Kalus im Interview mit Reporter Peter Ries vom Stadtteilportal Garath Hellerhof (SGH)

 

Garath |27.10.20817 (pri) Der in Krefeld geborene Wilhelm Kalus lebt seit 1964 in Garath. Für den noch sehr rüstigen 86-jährigen bedeutet Garath Heimat, Sport und soziales Engagement. „Ich lebe gerne in Garath. Wenn ich es einmal verlassen muss, dann nur mit den Füßen voran“, stellt er klar.

 

Wie viele andere Garather, reagierte auch Ur-Garather Wilhelm Kalus sehr ungehalten darüber, dass Garath immer wieder durch die Medien - aber auch von Menschen, die selbst in Garath leben - schlechtgemacht wird. Dem Stadtteilportal für Garath Hellerhof erzählte er seine Sicht und wie er Garath sieht.

 

„Als ich letzte Woche einen WZ-Artikel mit dem Titel Stadtführung: „Still loving Garath“ - Die Typen hinter den tristen Fassaden“ las, in dem eine Journalistin meinte: „Wenn ich an Garath denke, dann denke ich an Armut, Neonazis und Hochhausschluchten“, ist mir fast der Kragen geplatzt. Was oder wer gibt jemandem das Recht so etwas unfassbar dummes und beleidigendes zu schreiben und veröffentlichen zu lassen“, fragt sich Kalus in einem Interview mit dem Reporter Peter Ries vom Stadtteilportal Garath Hellerhof.

 

In all den Jahren habe er in Garath noch nie irgendwelche Probleme mit vermeintlichen Nazis oder anderen Gruppierungen gehabt. Dass es auch in Garath – wie in anderen Stadtteilen welche gebe, mag ja sein, er bezweifele jedoch, dass sie alle in Garath leben und kann sich auch nicht vorstellen, dass man in Garath unsicherer sein soll als in anderen Städten und Stadtteilen. „Nur weil 18 Prozent die AFD wählten - die man in einem Folge-Bericht der gleichen Zeitung schnell noch auf 19 Prozent hochgesetzt hat - kann man doch nicht davon ausgehen, dass in Garath 18 bzw. 19 Prozent der Wähler Nazis waren“, sagt kalus. Er wisse, dass ganz andere dieser Partei ihre Stimme gaben, um den „großen Parteien“ ihren Protest für eine offensichtlich verfehlte Sozialpolitik kundzutun. Darum sei man doch kein Nazi und die Garather nicht schlechter als andere.

 

Wilhelm Kalus zeigt dem Stadtteilreporter alte Bilder aus seiner Sportzeit in Garath auf seinem Laptop. Bild: © P. Ries„Dass es hier und dort mal Auseinandersetzungen gibt, liegt wohl in der Natur der Menschen und ist in einem stetig wachsenden Stadtteil - in dem so viele unterschiedliche Charakteren aufeinanderprallen - nichts Ungewöhnliches. Das wird es zum Beispiel erst durch „reißerische Pressemeldungen“, wie die von letzter Woche in der WZ“, mahnt Kalus mit erhobenem Zeigefinger und fügt hinzu: „Garath ist seit seiner Entstehung immer wieder in den Mittelpunkt negativer Berichterstattung geraten. Das lag jedoch auch daran, weil in den 60´er Jahren viele Flüchtlinge und Menschen aus teils prekären Verhältnissen hier ihre zweite Heimat fanden – da kam es öfters zu Verständigungsproblemen. Diese gibt es hier und da auch heute noch, jedoch sind sie nicht so groß, dass die Garather sie nicht in den Griff hätten bzw. die Medien darüber berichten müssten“.

 

Nicht nur Geschichte

 

Garath hat nicht nur Geschichte; es ist auch eines der wenigen Stadtteile in denen Kunst, Kultur und Natur unter einem Hut stecken und wo sich Menschen ehrenamtlich in den Vereinen, Institutionen und Einrichtungen engagieren. Geht man mit offenen Augen durch den Stadtteil, wird es einem klar, dass Garath ein aufstrebender Stadtteil mit viel Natur ist und man wegen der wenigen „Hochhäusern“ nicht an klassische Hochhausschluchten denkt - wie es immer wieder behauptet wird. Garath hat zudem eine gute verkehrliche Verbindung zur Innenstadt mit Bus, S-Bahn und per Fahrrad oder Auto.

 

Wilhelm Kalus im Garaten seines Hauses. Bild: © P. RiesAls Wilhelm Kalus mit seiner Frau und zwei Kindern 1964 sein Haus im ersten Bauabschnitt Johannes-Radke-Straße bezog, war Garath noch eine einzige Baustelle. Nach und nach entstanden die heutigen Straßenzüge, Geschäfte und Wohnungen, die sich sehr schnell mit Familien füllten. Er war der letzte „Boss“ der Benrather Feuerwehrwache, die sich damals im Westflügel des Schlosses befand und die im Oktober 1981 ihre Tore für immer schloss. Kalus war Mitbegründer des „Warmwasservereins“ - der sich dafür einsetzte, dass die für damals sehr hohen Heizkosten angepasst wurden, und aus der später die Bürger- und Interessengemeinschaft Garath (BIG) hervorging. Zu Zeiten der „Trimm-dich-Pfade“ engagierte sich der Familienvater und Opa von fünf Enkeln als Wanderführer (Tripp-Trapp ins Grüne), Gymnastik-Trainer, sowie als Hauptsportwart im GSV für die nichtballspielenden Sportler. Im Alpenverein gründete er die erste Skiabteilung für „Alt und Jung“, bereiste regelmäßig - oft mit mehr als 20 Garathern - die Skigebiete Engelberg in der Schweiz.

 

 


„Ich wollte und will hier nie weg. Garath ist mein Lebensmittelpunkt mit viel Natur, interessanten Menschen und vielfältigen Angeboten. Garath ist nicht das, was wenige Nestbeschmutzer und einige Zeitungen von sich geben. Ja! In Garath gibt es auch arme Menschen. Es gibt sicherlich auch einige Nazis, vielleicht auch Typen hinter irgendwelchen tristen LEG-Fassaden. Das findet man in allen Städten auf der Welt. Garath liegt jedoch dabei im Promillebereich“, so der resolute Ur-Garather, der seine Heimat nur „mit den Füßen voraus“ verlassen will und hofft, dass man endlich einmal damit aufhört, das wahre Gesicht Garaths mit reißerischen Titeln zu verleumden und ständig als „Armenviertel“ oder „Nazi-Hochburg“ in den Dreck zu ziehen, um das Image und die hier lebenden Menschen nachhaltig zu beleidigen und zu beschädigen. Er wünscht sich, dass auch die wenigen Zweifler, die selbst in Garath leben, einmal Gedanken darüber machen, was es ihnen bringt, wenn sie ihr eigenes Quartier sogar in den sozialen Netzwerken schlechtmachen.

 


 

 

Aus Garaths Frühgeschichte

 

Die Garather Motte

 

von Wolfgang D. Sauer

 

Garath gehört zu den jüngsten Stadtteilen Düsseldorfs. Am 18. Februar 1961 erfolgte der erste „Spatenstich“ zum Bau dieses neuen Gebietes. Jünger als Garath ist lediglich Hellerhof, das ursprünglich als Garath-Süd/Süd bezeichnet, 1971 dann in Hellerhof umbenannt wurde und seinen Baubeginn im Jahre 1976 erlebte. Doch Garaths Geschichte beginnt nicht erst im Jahre 1961. Ortsnamenforscher vermuten, dass die Orte mit der Endung „rath“ als sog. Rodungsorte und Einzelhofsiedlungen zwischen dem 9. und dem 13. Jahrhundert entstanden sind.

 

Der Name „Garath“ selbst geht zurück auf das hier beheimatete Rittergeschlecht der Herren von Garderode. Als erster Angehöriger dieser Ritterfamilie und damit als erster Garather überhaupt wird in einer Urkunde aus dem Jahre 1271 „Bruno von Garderode“ erwähnt. Doch weist außer der Ortsnamenforschung noch ein besonderes Bodendenkmal darauf hin, dass die Geschichte Garaths wesentlich früher beginnt als 1271. Bei diesem Bodendenkmal handelt es sich um die sog. Garather Motte. Die 1993 benannte Straße „An der Garather Motte“ führt den interessierten Besucher direkt zu ihr hin.

 

Mit dem Begriff „Motte“ bezeichnet der Historiker frühe Burgen. Neuartige Wehranlagen und Befestigungssysteme waren es, die im Gegensatz zu den Höhenburgen in einem flachen Gelände angelegt und deshalb Niederungsburgen, auch Turmhügelburgen genannt werden. Um sich besser verteidigen zu können, errichtete man diese Motten, wo immer es ging, in sumpfigen Geländen oder an einem Bachlauf auf einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel und umgab sie mit Palisaden. Damit sind auch die beiden Hauptmaterialien der Motte genannt: Holz und Erde. Der Bachlauf wurde vielfach dazu benutzt, die die Motte umgebenden Gräben zu füllen, um damit dem Feind ein Eindringen zu erschweren oder gar unmöglich zu machen. Die Motten sind meist zweiteilig und gliederten sich in der Regel in eine Haupt- und eine ebenfalls durch Gräben und oft auch durch Palisaden gesicherte Vorburg, wobei die Vorburg um ein Vielfaches größer war als die Hauptburg.    

 

„Der Hügel, die Hauptburg, war der Sitz des Burgherrn, Hort der Vorräte und letztes Refugium...die Vorburg, der Platz für die Bediensteten, das Vieh und die Wirtschaftsgebäude“, schreibt Adolf Herrnbrodt, der sich intensiv mit den rheinischen Motten beschäftigt hat. Und weiter heißt es bei ihm: „Es herrscht Einmütigkeit darüber, daß die Motten die ersten in Mittel- und Westeuropa faßbaren Wehrbauten eines einzelnen sind, die Burgen der freien Edelherren, des grundbesitzenden Adels, und daß ihre Entstehung in ursächlichem Zusammenhang mit dem Normannensturm im 9. Jahrhundert steht.“ Der letzten Aussage stimmen andere Forscher nicht zu und erklären den Bau der Motten mit den vielen Adelsfehden der damaligen Zeit, d.h. nach ihrer Ansicht waren nicht die Normannen die Ursache für dieses neue Wehr- und Schutzsystem, sondern der Schutz des Adels vor seinesgleichen. Den Zeitraum für diese Motten datieren die Historiker in das 9. bis 13. Jahrhundert mit einer Blütezeit im 11. Jahrhundert. Es ist dies die Zeit, in der auch die rath-Orte entstanden sind. 

 

Wie gesagt, findet sich ein solches Bodendenkmal, eine Motte, auch in Garath. Sie ist auch Bestandteil des sog. Garather Geschichtslehrpfades, der im September 1992 eröffnet wurde. Hauptsächlich ist er dem Garather Kulturhistoriker Anton Tripp zu verdanken, der aber die Eröffnung dieses Geschichtslehrpfades nicht mehr erlebt hat, da er ein Jahr zuvor verstarb.

 

Schriftliche Quellen zu dieser Motte liegen uns nicht vor. All unsere Fragen hierzu könnten allein die Archäologen beantworten. Würde man hier graben, wären sicher noch manche Geheimnisse zu entdecken. Doch leider wird in dieser Hinsicht die frühe Geschichte Garaths weiterhin unentdeckt im Boden bleiben, denn laut Auskunft des Rheinischen Landesmuseums Bonn verbietet sich hier eine Grabung, da eine solche die vollständige Zerstörung des Bodendenkmals zur Folge hätte. Doch können wir hier immerhin die Ergebnisse der bisherigen Forschung zu diesem frühen Burgentyp zu Rate ziehen. So lässt sich in unserer Gegend die Garather Motte  z.B. mit der Motte Schwanenmühle in Langenfeld vergleichen, über die es eine ausführliche Beschreibung gibt. Beide, die Garather Motte und die Motte Schwanenmühle haben die gleichen Ausmaße. Auf ihren rundlichen Hügeln mit einem Durchmesser von etwa 20x30 Metern lag jeweils die Hauptburg. Charakteristisch für die beiden Motten ist ferner, dass nicht weit von ihnen als Nachfolger jeweils feste Höfe oder Wasserburgen entstanden. Für Langenfeld war dies die Wasserburg Haus Graven, für Garath waren   dies der Rittersitz Haus Garath und der unmittelbar bei der Motte gelegene Kapeller Hof. „Das heutige Hofgeviert des Kapellerhofes, das unmittelbar westlich...anschließt, befindet sich vermutlich auf der ehemaligen Vorburg des Hügels“, heißt es in einer Mitteilung des Rheinischen Landesmuseums Bonn.

 

Nach einer von den Archäologen vorgenommenen Einteilung gehört die Garather Motte mit ihrer Höhe von etwa drei Metern zu den kleineren Motten, während zu den „normalen Motten“ solche zählen, deren Höhe fünf bis zehn Meter beträgt und die großen Motten eine Haupthügelhöhe von über und um zehn Meter aufweisen. Deutlich zu sehen ist in Garath der aufgeschüttete Hügel, dagegen – wegen des vergänglichen Materials Holz – nichts mehr von den einst auf diesem Hügel stehenden Gebäuden. Der die Garather Motte früher umgebende und von dem nahe vorbeifließenden Mühlenbach mit Wasser gefüllte Graben ist heute zum Teil zugeschüttet, aber an der Nord- und Ostseite der Motte noch deutlich zu erkennen.

 


 

Wolfgang D. Sauer, geb. 1940 in Leverkusen

Nach Volksschule Abitur am Carl-Duisberg-Gymnasium studierte der 74 jahährige anschließend Geschicht und Germanistik an der Universität Köln. Nach seinem Aufstieg vom Referendar bis hin zum Studiendirektor am Schloß-Gymnasium in Düsseldorf-Benrath wurde er 2007 - nach der Pensionierung Leiter des Benrather Heimatarchivs. er ist Mitglied in der Heimatgemeinschaft Groß-Benrath e.V. und im Allgemeinen Bürgerverein Urdenbach e.V., sowie in der Düsseldorfer Mahn- und Gedenkstätte, im Altenberger Domverein und im Bergischen Geschichtsverein. Seit einigen Jahren ist er ehrenamtlich im zentrum plus in Benrath tätig. 

 

 

 

 


 

 

Nestbeschmutzer oder einfach nur dumm?

 

Eine Nachdenk-Geschichte

 

von Peter Ries

 

 

Alfred Clever und Walter Dummchen machen Urlaub im Sauerland. Während eines Grillfestes - bei dem jeder etwa zwei Schnitzel, drei Bratwürstchen, Kartoffelsalat und reichlich alkoholische Flüssigkeit zu sich genommen hatte - stellten sie sich jeweils dem anderen vor.

 

Dummchen wollte unter anderem wissen, wo Clever denn seinen Lebensmittelpunkt habe, worauf Clever erwiderte, dass er aus dem schönen Düsseldorf sei und in einem der beliebtesten von zehn Stadtbezirken wohne, wo nur die bessergestellte Gesellschaft ihr Domizil habe. „Das kann dann nur Oberkassel oder Kaiserswerth sein“, meinte Dummchen. „Wie kommst du denn darauf?“, fragte Clever etwas verdutzt.

 

„Weil ich alle Stadtteile in Düsseldorf kenne - der schlechteste Stadtbezirk ist eindeutig Garath - hoher Ausländeranteil, viel Kriminalität, Sozialhilfe-Schmarotzer und die Hälfte der Einwohner sind arbeitslose „Hartz Vierer“. „Ich sage dir - den Stadtteil kanns du abhaken - da ist jeder andere Stadtbezirk besser“, lallt Dummchen mit erhobenem Zeigefinger - und er fügt hinzu: „Wenn zum Beispiel bei der Bewerbung für um einen Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle an gibst, dass du aus Garath kommst, hast du Pech gehabt - und nix ist mit Arbeit oder Lehrstelle. Ich frage mich, wie die darauf kommen, dass die Garather faul, kriminell oder sogar asozial seien – ist mir wirklich ein Rätsel“.

 

„Nun - erwidert Clever - Ich habe gehört, dass viele Garather am schlechten Ruf ihres Stadtteils selbst Schuld sind“. „Wie  meinst du das denn?“, fragt Dummchen. Worauf Clever erklärt: „Man kann hier von´Nestbeschmutzerei´ oder einfach nur von Dummheit reden, wenn man sieht, wie so manche Garather ihre eigene Heimat schlecht machen, indem sie oft keine Gelegenheit auslassen, ihr erlangtes Halbwissen und die häufig mit Vorurteilen geprägten Wort-Fäkalien kundtun und dies sogar hauptsächlich in den den Sozialen Netzwerken posten. Da ist es am Ende auch nicht verwunderlich, wenn sie z. B. Probleme bei der Arbeitsuche haben; viele Chefs informieren sich über evtl. zukünftige Mitarbeiter gerne bei Twitter und insbesondere in Facebook, ob und was du da alles so von dir gibst“. Dummchen: "Verstehe ich nicht". Clever: "Nehmen wir mal an, du möchtest dich bei einem neuen Arbeitgeber als  Security-Mitarbeiter vorstellen. Bei der Überprüfung, ob du geeignet bist, meldet sich der Chef beispielsweise bei Facebook an und sucht nach deinem Profil. Nun liest er, dass du einmal einen Post gegen Flüchtlinge, die Demokratie oder über dein vermeintlich "asoziales Garath" veröffentlicht, geteilt oder geliket hast. Glaubst du dann wirklich noch, dass er ausgerechnet dich einstellen wird? Ich sag´s dir: NEIN, wird er nicht.

 

„Wieso - ich sage doch nur, was auch stimmt“, rechtfertigt sich Dummchen und wiederholt sein Halbwissen unter Hinzufügung, dass denen, die in Garath wohnen, ohnehin nicht mehr zu helfen sei.

 

Clever war eigentlich schon sehr müde und wollte zu Bett gehen. Aber nicht ohne das Gespräch mit einem Abschluss zu krönen:

 

Dummchen: „Statt sich daran zu ergehen, seine eigene Heimat unter anderem in den sozialen Netzwerken schlecht zu machen, rate ich dir und jedem anderen, sich vorher einmal zu fragen, welchen Beitrag er oder sie leisten kann, den Stadtteil in dem sie leben aufzuwerten und das Image und seine eigenen Chancen zu verbessern. Es gibt so viele Möglichkeiten. Ich denke da zum Beispiel an eine Mitwirkung in einem der vielen Vereine, die sich unermüdlich und ehrenamtlich für ihre Stadt engagieren, wie zum Beispiel in Bürgervereine, Heimatvereine, Schützenvereine, Sozialvereine, Nachbarschaftshilfen und-und-und… Denke einfach mal darüber nach. So, und jetzt gute Nacht - Ach, wo kommst du noch mal her?“ Dummchen: „Aus dem grünen Stadtteil Garath“. Siehst du, - geht doch.      

 

© Peter Ries 09/2017. Zeichnungen: Edward Lear/pixabay.

 


 

Atemschutzübungszentrum in Betrieb genommen

 

von Peter Ries

 

Atemschutzübungszentrum Garath Foto: RiesGarath 16.02. 2016 (pri). Nach einer Bauzeit von 16 Monaten ging am 16. Februar die hochmoderne Atemschutzübungsstrecke mit Brandsimulationsanlage der Feuer- und Rettungswache in Betrieb. Begleitet von Applaus nahm Oberbürgermeister Thomas Geisel die Anlage durch einen Knopfdruck in Betrieb. Anschließend hatten die geladenen Gäste aus Ortspolitik und Feuerwehren die Gelegenheit, die Anlage zu inspizieren. Das Investitionsvolumen betrug rund 4,6 Millionen Euro.

 

Unter Miteinbeziehung der Bezirksvertretung 10 beschloss der Rat der Stadt daher im Dezember 2013 einen Ersatzneubau in Massivbauweise erichten zu lassen, weil sich die alte Atemschutzübungsanlage in einem sehr schlechten Zustand befand und nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden konnte.

 

„Um Einsätze erfolgreich zu bewältigen, braucht es Training. Jetzt haben wir nicht nur eine der modernsten Trainingseinrichtungen in NRW, sondern können hier auch Trainingsmöglichkeiten für Einsatzkräfte aus anderen Städten anbieten“, betonte Oberbürgermeister Thomas Geisel bei der Eröffnung.

 

Das Bauprojekt umfasst die Errichtung eines Ersatzneubaus bestehend aus einem Atemschutzübungszentrum und einer Brandsimulationsanlage, die über eine Durchgangsschleuse im Obergeschoss miteinander verbunden sind. Im Erdgeschoss des neuen Atemschutzübungszentrums befinden sich eine Werkstatt, ein Lager für Übungsgeräte, ein Vorbereitungs- und ein Schulungsraum sowie die sanitären Anlagen. Im Obergeschoss ist neben dem Arbeitsraum und der Atemschutzübungsstrecke auch der Kontrollraum untergebracht, in dem sich die Leittechnik für die beiden Übungsanlagen befindet.

 

Das Dach über dem Atemschutzübungsraum ist nutzungsbedingt höher und wurde begrünt. Die Brandsimulationsanlage ist so aufgebaut, dass unterschiedliche Brandsituationen wie etwa Wohnzimmerbrände unter realitätsnahen Bedingungen imitiert werden können. Auf der Dachfläche über der Brandsimulationsanlage wurden zudem Räume für die Technik errichtet. Die weiteren Dachflächen des Ersatzneubaus können für Ausbildungszwecke genutzt werden.

 

Über die Verbindungsschleuse können die Übungsteilnehmer vom Atemschutzübungszentrum in die Brandsimulationsanlage und umgekehrt gelangen. Der Standort bietet sich aufgrund seiner sehr guten Erreichbarkeit für die Übungsteilnehmer an. Durch die organisatorische Einheit des Atemschutzübungszentrums mit Brandsimulationsanlage und der Feuerwehrschule Düsseldorf werden Synergieeffekte erzielt. Inzwischen haben bereits verschiedene Werksfeuerwehren und andere Kommunen Interesse an einer Mitnutzung dieser hochmodernen Anlage bekundet. Die Stadt rechnet mit Einnahmen von bis zu 100.000 Euro pro Jahr, die dadurch erzielt werden können.